
Seit Kurzem hat die Jägerschaft Bonn eine neue stellvertretende Vorsitzende: Sandra Werner-Jandl. Doch wer ist sie eigentlich, wie ist sie zur Jagd gekommen und was hat sie dazu bewogen, Verantwortung in der Jägerschaft zu übernehmen? Der Hegering Rheinbach hat nachgefragt.
- Sandra, bevor wir über dein neues Amt sprechen: Wer bist du und was machst du, wenn du gerade nicht jagst?
Ich bin 58 Jahre alt, in zweiter Ehe mit meinem Mann Rainer verheiratet, Mutter von zwei Töchtern (34 und 29), Stiefmutter von zwei Söhnen (31 und 28) und Großmutter von drei kleinen Mädchen. Beruflich bin ich freiberuflich und in Vollzeit als rechtliche Betreuerin tätig.
Rainer und ich leben in Alfter-Witterschlick. Neben der Jagd verbringen wir viel Zeit mit Familie und Freunden. Wir fahren gerne Ski und gelegentlich auch noch Motorrad. Und wenn es die Zeit zulässt, verreisen wir auch gerne.
- Wie und wann bist du zur Jagd gekommen?
Als meine älteste Tochter ihren heutigen Mann kennenlernte, kamen wir häufig mit ihm über die Jagd ins Gespräch. Er ist ebenfalls Jäger und wusste über Wild, Wald und Natur deutlich mehr als wir. Das hat unsere Neugier geweckt. Nach und nach wuchs unser Interesse an der Jagd und an allem, was dazugehört. 2022 meldeten mein Mann und ich uns schließlich gemeinsam zu einem Jagdkurs an.
- Was begeistert dich persönlich an der Jagd und wie jagst du selbst am liebsten?
Mich begeistert es, das Verhalten des Wildes zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten zu beobachten. Kein Ansitz verläuft wie der andere: Das Wild bestimmt den Rhythmus und den Ausgang. Bei der Ansitzjagd komme ich besonders gut zur Ruhe und genieße die Zeit draußen. Aber auch die Jagd auf Flugwild, die ich schon mehrfach erleben durfte, gefällt mir sehr.
- Wie bist du zur Jägerschaft Bonn gekommen und wie hat sich dein Engagement dort entwickelt?
Zur Jägerschaft Bonn bin ich über meine Jagdausbildung gekommen. Schon bald hat mich beeindruckt, mit wie viel Engagement die Ausbilder im Unterricht und auf dem Schießstand dabei sind. Ich habe dort eine sympathische, engagierte und leidenschaftliche Gemeinschaft kennengelernt. Das hat mich angesteckt und motiviert, selbst mitzumachen.
- Jetzt bist du stellvertretende Vorsitzende. Warum hast du dich entschieden, diese Aufgabe zu übernehmen?
Schon vor meiner Wahl habe ich mich in der Bonner Jägerschaft engagiert: Ich habe den Lady’s Day, einen regelmäßigen Stammtisch für Jägerinnen und gemeinsame Treffen auf dem Schießstand mitorganisiert. Das hat mir viel Freude gemacht. Ich bin überzeugt, dass eine solche Gemeinschaft davon lebt, dass Menschen sich einbringen und Dinge anpacken.
Als Mitglieder des bisherigen Vorstands mich fragten, ob ich als Nachfolgerin der bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden gemeinsam mit ihnen kandidieren würde, habe ich mich sehr geehrt gefühlt. Deshalb habe ich mich entschieden, diese Aufgabe zu übernehmen.
- Was möchtest du in deiner neuen Funktion konkret bewegen?
Allein kann man in einem Verein wenig bewegen. Deshalb möchte ich zunächst zuhören: Was wünschen sich die ehrenamtlich Engagierten und die anderen Mitglieder? Welche Ideen möchten sie umsetzen und wo sehen sie Verbesserungsbedarf?
Mir ist wichtig, unsere Gemeinschaft zusammenzuhalten, Nachwuchs zu gewinnen und die Jägerinnen noch stärker miteinander zu vernetzen. Wenn sich möglichst viele Mitglieder in der Jägerschaft wohlfühlen und einbringen können, ist das ein großer Erfolg. Dass sich dabei nicht immer jeder Wunsch erfüllen lässt, ist mir bewusst.
- Welche Themen oder Herausforderungen werden die Jägerschaft Bonn und ihre Hegeringe aus deiner Sicht in den kommenden Jahren besonders beschäftigen?
Eine wichtige Aufgabe wird sein, junge Jägerinnen und Jäger dauerhaft einzubinden. Nach dem Jagdschein brauchen sie erfahrene Menschen, die sie mit ins Revier nehmen, ihr Wissen weitergeben und ihnen Verantwortung zutrauen.
Ebenso müssen wir Menschen für die ehrenamtliche Arbeit gewinnen, denn davon lebt vieles, was die Hegeringe leisten. Auch der Naturschutz wird uns weiter beschäftigen: Lebensräume verändern sich durch den Klimawandel und gerade in unserer Region treffen die Bedürfnisse von Wildtieren und Menschen oft aufeinander. Mit praktischem Einsatz im Revier, guter Zusammenarbeit und verständlicher Öffentlichkeitsarbeit können wir zeigen, was die Jägerschaft beiträgt.
- Was wünschst du dir von den Mitgliedern und den einzelnen Hegeringen?
Ich wünsche mir, dass die Hegeringe junge und neue Mitglieder weiterhin gut einbinden. Erfahrene Jägerinnen und Jäger können dabei viel bewirken, indem sie ihr Wissen weitergeben, jemanden mit ins Revier nehmen und offen für neue Ideen bleiben.
Ich finde es toll, dass die Hegeringe regelmäßig konkrete Aktionen anbieten, bei denen man unkompliziert mithelfen kann. Schön wäre, wenn das im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten so bleibt. Wichtig ist mir außerdem ein guter Austausch zwischen den Hegeringen. So können erfolgreiche Ideen weitergegeben werden und Gemeinschaft auch über die Hegeringgrenzen hinaus entstehen.
- Zum Schluss etwas abseits von Amt und Jagd: Was sollte man über Sandra Werner-Jandl noch wissen?
Ich denke, meine Antwort auf die erste Frage beschreibt mich schon ganz gut. Darüber hinaus bin ich, wie man mir nachsagt, ein offener und zugänglicher Mensch. Für konstruktive Kritik bin ich jederzeit offen. Dabei ist mir ein respektvoller Umgang besonders wichtig.
Vielen Dank, liebe Sandra, für deine persönlichen Einblicke und das Gespräch. Der Hegering Rheinbach wünscht dir für deine neue Aufgabe viel Erfolg, eine gute Zusammenarbeit und viel Freude daran, die Jägerschaft Bonn mitzugestalten.
